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Tour Auto Lissac 2008
oder 2000 Rallyekilometer durch Frankreich
Zum Unterschied von unserer Teilnahme an der Tour Auto im Jahre
2003, wo wir piekfein im Flugzeug anreisten, war diesmal die Herausforderung,
unser Rallye-Auto, den Fiat Abarth 124 rally Gruppe 4, selbst vor Ort
zu transportieren. Vor Ort heißt, spätestens am 14. April in Paris sein
und am 19. April irgendwie von Marseille wieder nach Hause kommen. Ein
logistisches Problem, da das Team nur aus zwei Personen, Fahrer und Beifahrer,
bestand und lange Autobahnfahrten im Rallyeauto sehr mühsam sind.
Nach dem Nennschluss mit Jahresende 2007 musste ich mich, etwas überraschend,
im Jänner kurzfristig um einen anderen Beifahrer umsehen. Mein Freund
Wolfgang Stelzmüller ist spontan eingesprungen und hat seine Aufgabe hervorragend
gelöst. Waren wir doch schon früher öfter in einem Auto zusammen erfolgreich
unterwegs. Die Chemie stimmte einfach. Die logistischen Vorbereitungen
begannen, wie oben angedeutet, mit dem Transport. Die erste Etappe am
12. April fuhren wir mit dem Autoreisezug. Zugfahrzeug, Anhänger und darauf
das Einsatzfahrzeug von Wien bis Feldkirch/Vbg in einem Schlafwagenabteil.
Weiter auf eigenen Achsen durch die Schweiz und Mittelfrankreich nach
Beaune im Burgund. Dort kannte ich von einer früheren Veranstaltung Monsieur
Michel Pont, den Besitzer von Chateau Savigny, der uns unser Gespann für
die Dauer der Veranstaltung einstellen ließ. Beaune liegt zirka auf halbem
Weg zwischen Paris (350 km) und Marseille (450 km), also ideal für unsere
Zwecke. Sonntag, den 13. April fuhren wir mit unserem Abarth 124 rally
gemütlich auf der Autobahn nach Paris und stellten das Fahrzeug im Grand-Palais
zu den anderen 250 Teilnehmerfahrzeugen, wie immer „Vom Feinsten“. Aufzählung
gefällig: 2 Ferrari 250 GTO, 35 Ferrari 275 GTB, SWB, TDF, Dino 246 usw.,
25 Renault Alpine A110, davon einige 1800er und ein Modell 1800 mit 4-Ventil-Motor.
Porsche war mit etwa 30 verschiedenen Modellen vom 550 RSK, 904, Carrera
6 bis Carrera 2,7 RS vertreten. Nicht zu vergessen die 8 OSCA-Modelle,
da diesmal die Veranstaltung unter der Markendevise OSCA stand. Die Marke
OSCA (Officine Specializzate Costruzione Automobili) wurde von den Brüdern
Maserati gegründet und diese Fahrzeuge gelten als Vorläufer von späteren
Maseratimodellen.
Nach der Abnahme am Montag starteten wir Dienstag von Chateau de Fontainebleau
Richtung Beaune zur ersten Etappe über ca. 350 km. Diese Etappe war durch
nette Sonderprüfungen, z. B. Chablis, ja ja der Weinort, und einer Sonderprüfung
in Dijon Prenois auf dem ehemaligen F1-Rundkurs gewürzt. Weitere Etappen
nach Vichy mit der Sonderprüfung am Grand-Prix-Kurs in Magny Cours und
Brive la Gaillarde mit der Sonderprüfung in Charade, dem ehemaligen Clermont
Ferrand, forderten unsere ganze Konzentration. Der Veranstalter hatte
jeden Tag einen guten Mix aus Rundstrecke und Rallyesonderprüfung vorbereitet
und zog sein Programm mit großer Präzision durch. Wir hatten immer genug
zu tun. Bei allen Sonderprüfungen feuerten uns zahlreiche Zuseher und
Schlachtenbummler zu Höchstleistungen an. Deshalb gab es auf diesen engen
und verwinkelten Strecken auch einige Ausritte, die unsere Konkurrenten
dezimierten. Die vorletzte Etappe führte uns durch das Hochland von Aubrac
und zurück zum Rhonetal nach Avignon, dem letzten Etappenort vor dem Ziel
in Marseille. Als besonderes Schmankerl sollte die Sonderprüfung auf den
Mont Ventoux gleich am Morgen des Samstages gefahren werden. Das musste
leider ausfallen, weil Schnee die Strasse blockierte, sodass wir in Paul
Ricard/Le Castellet, der letzten Rundstrecke, etwas mehr Zeit hatten für
unsere Trainingsrunden.
Wir nützten diese Chance und konnten uns durch eine gute Leistung noch
um einige Plätze verbessern. Nach dem Zieleinlauf in Marseille am Abend
des 19. April hatten wir insgesamt ca. 2000 Kilometer unter Wettbewerbsbedingungen
absolviert und einen 10. Gesamtrang in der Regularity von 150 Teilnehmern
erkämpft. Was uns besonders gefreut hat ist, dass wir eine Sonderprüfung
sogar gewinnen konnten.
Ein Wort noch zum Ablauf von Sonderprüfungen: Schon im Jänner mussten
wir angeben, welchen Schnitt wir wählen würden. Nach Telefonaten mit dem
Veranstalter über die Schnittgeschwindigkeiten bekamen wir nur die Auskunft:
„Das hängt von der Straße, dem Wetter und wahrscheinlich der Laune des
Rennleiters ab.“ Daraufhin wählten wir aus Slow, Medium und Fast natürlich
Fast, dass uns nicht fad wird und vertrauten auf die Leistungsfähigkeit
unseres Fiat Abarth. Das stellte sich zwar als sehr lustig heraus, war
aber für ein Gesamtergebnis nicht sehr förderlich. Umso höher ist die
Leistung meines Beifahrers zu werten, weil bei Schnitten zwischen 55 und
80 (achtzig) auf unbekannten, engen französischen Güterwegen, kann das
ganz schön flott sein (alle 4,5 sek eine Ansage) und Wolfgang beschwerte
sich nach den Sonderprüfungen immer über einen ausgetrockneten Mund.
Die Siegesfeier im Palais Pharao in Marseille fiel dementsprechend entspannend
aus und wir konnten unseren Flüssigkeitsmangel mit französischem Rotwein
ausgleichen. Dabei lernten wir wieder viele neue Freunde kennen.
Die Rückfahrt über die Autobahn von Marseille zu unserem Gespann nach
Beaune verlief im Gedanken an eine tolle Veranstaltung, bei der wir erfolgreich
mitfahren durften.
Gewonnen hat das Ehepaar Linwood auf Porsche Carrera 2,7 RS vor Haquette/Vanlanduyt,
Porsche 904 und Ruston/Haylock, Porsche 356. Platz 10 Fessl/Stelzmüller,
Fiat Abarth 124 rally und, leider durch einen technischen Defekt zurückgeworfen,
das zweite österreichische Team Feichtinger/Haberl auf Porsche 550 RSK
auf Rang 73.
Austro Classic Ausgabe 4/08
Text: Werner Fessl
Photos: F. Haase, Renè
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